Kinderwunsch

Wirkt sich Koffein auf die Fruchtbarkeit aus?

Das sagt die aktuelle Forschung zum Zusammenhang zwischen Tee, Kaffee, Limonade und Fruchtbarkeit

Könnte das Koffein in deiner morgendlichen Tasse Kaffee deine Fruchtbarkeit beeinträchtigen? Solange du keine großen Mengen konsumierst, ist es unwahrscheinlich, dass es deine Chancen auf eine Schwangerschaft beeinträchtigt.1 Trotzdem solltest du überlegen, ob du deinen Konsum insgesamt einschränken willst.

Die morgendliche Tasse Kaffee oder Tee sind in der westlichen Welt fast schon eine Tradition. Viele Frauen beschäftigen sich daher mit Untersuchungen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Koffein, Fruchtbarkeit und Fehlgeburtenrate untersuchen.

Für Frauen, die ihre natürliche Fruchtbarkeit steigern wollen, könnte der Verzicht auf Koffein ein machbares Ziel sein. Für manche Frauen und Männer wäre es jedoch schwierig, den Tag ohne Koffein zu überstehen. Sie könnten sich schuldig fühlen und sich Sorgen machen, wenn sie versuchen, schwanger zu werden, und befürchten, dass Koffein ihre Chancen beeinträchtigen könnte.

Sollte eine Frau, die schwanger werden will, auf Koffein verzichten?

Im Folgenden erfährst du, was die Forschung über Koffein und Fruchtbarkeit sagt und welche Empfehlungen für den täglichen Koffeinkonsum gelten, wenn du hoffst, schwanger zu werden.

Forschung zu Koffein und Fruchtbarkeit

Die Bedenken über Koffein und Fruchtbarkeit begannen, nachdem eine Studie aus dem Jahr 1988 berichtet hatte, dass Frauen, die etwa eine Tasse Kaffee pro Tag tranken, nur halb so wahrscheinlich schwanger wurden.2 Obwohl diese Studie in den letzten Jahrzehnten häufig zitiert wurde, konnte keine nachfolgende Studie diese Ergebnisse wiederholen.1

Eine der größten prospektiven Studien zu diesem Thema umfasste knapp über 3.000 dänische Frauen. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten die Fruchtbarkeitsrate in Abhängigkeit vom Kaffee-, Tee- und Limonadenkonsum. Das Ergebnis der Studie lautete:

  • Frauen, die mehr als 300 mg Koffein pro Tag konsumierten (mehr als eine Tasse Kaffee), hatten ähnliche Fruchtbarkeitsraten wie Frauen, die weniger als 100 mg bis gar kein Koffein pro Tag tranken.
  • Frauen, die zwei oder mehr Portionen Zyklustee am Tag tranken, hatten eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, als Frauen, die keinen Tee tranken.
  • Bei Frauen, die Limonade tranken, war die Wahrscheinlichkeit, in einem bestimmten Monat schwanger zu werden, geringer als bei Frauen, die keine Limonade tranken. Frauen, die drei Portionen Limonade pro Tag tranken, hatten schlechtere Fruchtbarkeitsraten als Frauen, die eine Portion Limonade pro Tag tranken.3

Du fragst dich vielleicht, ob diese Ergebnisse bedeuten, dass du anfangen solltest, Zyklustee zu trinken, um schneller schwanger zu werden, oder ganz auf Softdrinks verzichten solltest. Aber es ist etwas komplizierter als das.

Die Forscherinnen und Forscher wissen nicht genau, warum in dieser Studie die Teetrinkerinnen eine höhere und die Limonadentrinkerinnen eine geringere Fruchtbarkeit aufwiesen.

Auch Cola enthält viel Koffein

Eine andere Studie, die 2017 veröffentlicht wurde, sammelte Daten aus veröffentlichten Forschungsarbeiten, um die mögliche dosisabhängige Wirkung von Koffein oder Kaffee auf die Zeit bis zur Schwangerschaft sowohl bei Paaren, die auf natürlichem Wege schwanger werden wollen, als auch bei Paaren, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, zu untersuchen. Außerdem wurde das Risiko einer Fehlgeburt in Abhängigkeit von der konsumierten Menge an Koffein untersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigten Folgendes:

  • Der Konsum von 300 mg Koffein erhöhte das Risiko eines frühen Schwangerschaftsverlusts oder eines Spontanaborts (SAB).
  • Der Konsum von 600 mg Koffein hat das Risiko einer Fehlgeburt mehr als verdoppelt.
  • Koffein hatte jedoch keinen Einfluss auf die Zeit, die Paare, die auf natürlichem Wege schwanger werden wollten, benötigten, um schwanger zu werden.
  • Auch bei Paaren, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterzogen, schien sich der Koffeinkonsum nicht negativ auf die Schwangerschaftsraten auszuwirken.1

Ist Koffein das wahre Problem?

Die Untersuchung der Auswirkungen von Lebensstil-Entscheidungen auf die Fruchtbarkeit ist komplex. Man kann nicht einfach eine Gruppe von Menschen nehmen, sie in ein Labor sperren, alles kontrollieren, was sie essen und trinken, und dann sehen, wie schnell sie schwanger werden. Studien sind auf genaue Angaben und Erinnerungen angewiesen. In Studien über Fruchtbarkeitsraten und Koffein werden Frauen oft gebeten, anzugeben, wie viel Kaffee sie vor der Empfängnis getrunken haben.4

Die ideale Fruchtbarkeitsstudie würde eine Gruppe von Menschen bei ihrem Versuch, schwanger zu werden, begleiten und sie fragen, was sie jetzt (oder in letzter Zeit) trinken, bis sie schwanger werden (oder nicht).
Aber auch solche Studien werfen potenzielle Probleme auf. Zum Beispiel könnten diese Studien Frauen ausschließen, die schnell schwanger wurden und daher nie die Chance hatten, „zu versuchen, schwanger zu werden“.5

Ein weiteres Problem bei Studien zum Koffeinkonsum ist, dass die Dosierungen nicht immer einheitlich sind. Eine Tasse Kaffee, die du dir zu Hause zubereitest, kann einen ganz anderen Koffeingehalt haben als ein Milchkaffee in einem Café in deiner Nähe. Sogar das gleiche Getränk in verschiedenen Cafés kann unterschiedliche Mengen an Koffein enthalten.

Ein weiterer Punkt, den du bei der Untersuchung von Koffein beachten solltest, ist, dass nicht klar ist, ob es das Koffein ist, das zu Fruchtbarkeitsproblemen führen kann, oder ob es andere damit verbundene Lebensstile oder Gewohnheiten gibt, die die Fruchtbarkeit eher beeinträchtigen.6

So trinken etwa Menschen, die rauchen, eher viel Kaffee und alkoholische Getränke. Das könnte zum Teil erklären, warum frühere Studien starke negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit festgestellt haben. Starke Kaffeetrinker/innen könnten auch Raucher/innen sein – und wir wissen, dass Rauchen die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.7

Ein weiteres Problem ist, dass ein hoher Koffeinkonsum bei Menschen, die unter Müdigkeit leiden, wahrscheinlicher ist. Müdigkeit kann ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Krankheit oder einen Gesundheitszustand sein, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, wie z. B. Endometriose oder sogar Depressionen.

Wisse, wie viel du konsumierst

Wenn du bei Koffein auf Nummer sicher gehen willst, solltest du nicht mehr als 200 bis 300 mg Koffein pro Tag zu dir nehmen (idealerweise 100 mg oder weniger).8 Das empfehlen Reproduktionsmedizinern derzeit Paaren, die um eine Schwangerschaft bemüht sind.

Koffein ist in vielen Getränken enthalten

Die meisten von uns denken bei ihrem Koffeinkonsum jedoch nicht in Milligramm. Wir denken in Tassen. Wie viel Koffein ist in einer Tasse Kaffee oder Tee? Wie sieht es mit Softdrinks oder Energydrinks aus? Hier sind einige allgemeine Richtwerte.9

Kaffee

  • Gebrüht (240ml) = 95 bis 200 mg
  • Gebrühter, entkoffeinierter Kaffee (240ml) = 1 bis 25 mg1
  • 1
  • Expresso (30-60ml) = 47 bis 75 mg
  • Starbucks grande Caffé Latte (480ml) = 150 mg
  • Starbucks grande Dark Roast (480ml) = 240 mg
  • Starbucks grande Cold Brew (480ml) = 280 mg

Tee

  • Schwarzer Tee, aufgebrüht (240ml) = 40-60 mg
  • Schwarzer Tee, entkoffeiniert (240ml) = <5 mg

Erfrischungsgetränke

  • Cola (500ml) = 45 mg
  • Pepsi (500ml) = 45 mg
  • Red Bull Energy Drink (330ml) = 111 mg
  • Monster Energey Drink (330ml) = 276 mg

Mein Fazit zum Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und Fruchtbarkeit

Studien haben keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Koffein und einer verminderten Fruchtbarkeit bei Männern gefunden.10 Während die aktuelle Forschung keinen eindeutigen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit bei Frauen zeigt, haben die Studien, die einen Effekt gezeigt haben, ergeben, dass weniger als 200 mg Koffein für die meisten Menschen kein Problem darstellt. Ein zu hoher Koffeinkonsum kann jedoch das Risiko einer frühen Fehlgeburt erhöhen.1

Wenn du versuchst, schwanger zu werden, musst du nicht unbedingt komplett auf deine morgendliche Tasse Kaffee verzichten und du brauchst auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Die Standardempfehlung der meisten Fruchtbarkeitskliniken und vieler Gynäkologen lautet, sich auf eine kleine Tasse Kaffee pro Tag zu beschränken.

Quellen:

  1. Lyngsø J, Ramlau-Hansen CH, Bay B, Ingerslev HJ, Hulman A, Kesmodel US. Association between coffee or caffeine consumption and fecundity and fertility: a systematic review and dose-response meta-analysisClin Epidemiol. 2017;9:699-719. doi:10.2147/CLEP.S146496
  2. Wilcox A, Weinberg C, Baird D. Caffeinated beverages and decreased fertilityLancet. 1988;2(8626-8627):1453-6. doi:10.1016/s0140-6736(88)90933-6
  3. Hatch EE, Wise LA, Mikkelsen EM, et al. Caffeinated beverage and soda consumption and time to pregnancyEpidemiology. 2012;23(3):393–401. doi:10.1097/EDE.0b013e31824cbaac
  4. Cao H, Ren J, Feng X, Yang G, Liu J. Is caffeine intake a risk factor leading to infertility? A protocol of an epidemiological systematic review of controlled clinical studiesSyst Rev. 2016;5:45. doi:10.1186/s13643-016-0221-9
  5. Soave I, Lo Monte G, Marci R. Spontaneous pregnancy and unexplained infertility: a gift with many whysN Am J Med Sci. 2012;4(10):512–513. doi:10.4103/1947-2714.102010
  6. Gormack AA, Peek JC, Derraik JG, Gluckman PD, Young NL, Cutfield WS. Many women undergoing fertility treatment make poor lifestyle choices that may affect treatment outcomeHum Reprod. 2015;30(7):1617-24. doi:10.1093/humrep/dev094
  7. Treur JL, Taylor AE, Ware JJ, et al. Associations between smoking and caffeine consumption in two European cohortsAddiction. 2016;111(6):1059-1068. doi:10.1111/add.13298
  8. Wesselink AK, Wise LA, Rothman KJ, et al. Caffeine and caffeinated beverage consumption and fecundability in a preconception cohortReprod Toxicol. 2016;62:39-45. doi:10.1016/j.reprotox.2016.04.022
  9. Center for the Science of Public Interest. Caffeine chart.
  10. Durairajanayagam D. Lifestyle causes of male infertilityArab J Urol. 2018;16(1):10-20. doi:10.1016/j.aju.2017.12.004

Annika

Juhu, ich bin Annika, ich bin frische 34 Jahre alt, verheiratet und Mama von zwei wundervollen Söhnen (2019 & 2021), die nach einer langen Kinderwunschzeit ihren Weg zu uns gefunden haben. Während dieser Zeit habe ich mir viel Fachwissen im Bereich der Frauengesundheit angeeignet. Darüber hinaus habe ich Fortbildungen im Bereich Kinderernährung und Kindermotorik absolviert. Das dadurch erworbene Wissen möchte ich gerne in meinem Blog mit euch teilen. Mehr Informationen zu mir findet ihr hier.

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