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Baby-Led-Weaning (BLW) – Hintergrund-Wissen und hilfreiche Tipps

Hat der Kinderarzt oder deine Hebamme gesagt, dass es bald an der Zeit ist, deinem Schatz feste Nahrung zu geben? Zeigt dein Baby die bekannten Beikostreifezeichen? Du stellst dir vielleicht Berge von breiigen Haferflocken und pürierten Pastinaken vor und musst dein Baby dazu überreden, seinen kleinen Mund zu öffnen.

Viele Eltern entscheiden sich für die Einführung fester Nahrung in Form von Brei, aber es gibt auch eine Alternative, die du für den Einstieg deines Babys in die feste Nahrung in Betracht ziehen kannst.

Heutzutage verzichten immer mehr Eltern auf selbst gemachten Brei und Gläschenkost und setzen stattdessen auf die sogenannte babygeführte Entwöhnung, besser bekannt als Baby-Led-Weaning oder auch BLW, bei der sie ihrem Baby mit Fingerfood mehr Kontrolle darüber geben, was (und wie viel) es in den Mund nimmt.

Was ist Baby-led weaning (BLW)?

Die aus Großbritannien stammende und auch in Deutschland immer beliebter werdende Methode des Baby-Led-Weaning sieht vor, dass Babys ab dem sechsten Lebensmonat direkt mit der Einführung fester Nahrung auf Fingerfood umsteigen und Pürees und pürierte Nahrung überspringen.

Dieser Ansatz wird als babygeführte Entwöhnung bezeichnet, weil es darum geht, dein Kind von Anfang an selbst die gesunde Nahrung zu sich nehmen zu lassen, die es essen möchte (deshalb funktioniert diese Methode nur bei Babys, die mindestens 6 Monate alt und in der Lage sind, sich selbst zu ernähren).

Bei BLW lernen Babys erst das Kauen (oder besser gesagt das Zerdrücken mit dem Kiefer) und dann das Schlucken. Außerdem wird verhindert, dass die Eltern das Essen zu stark vorantreiben, da die Babys selbst bestimmen können, wie viel sie in den Mund nehmen.

Bei BLW lernt das Kind seine motorischen Fähigkeiten zielgerichtet einzusetzen

Aber das sind nicht die einzigen Vorteile. Laut Befürwortern und einigen Forschungsergebnissen hat die babygeführte Entwöhnung unter anderem folgende Vorteile:

  • Babys werden mit einer größeren Vielfalt an Texturen und Geschmacksrichtungen vertraut gemacht. Das kann dazu führen, dass sie auf lange Sicht vielfältigere und gesündere Essensvorlieben entwickeln. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass Babys, die eine Vielzahl von Lebensmitteln (einschließlich Erdnussprodukten und Fisch) essen, später seltener an Lebensmittelallergien erkranken. Vergiss nicht, dass Nüsse und Meeresfrüchte zu den häufigsten Allergenen bei Kindern gehören. Du solltest also immer den Kinderarzt deines Kindes fragen, wie du deinem Baby diese Lebensmittel am besten beibringst.
  • Es könnte das Risiko für Fettleibigkeit bei Kindern verringern. Bei der Löffelfütterung haben die Eltern die Kontrolle (was dazu führen kann, dass Babys schneller und mehr essen, als sie wirklich brauchen, was möglicherweise dazu führt, dass sie das Sättigungsgefühl ignorieren) – aber ähnlich wie beim Stillen kann das Baby beim Stillen selbst bestimmen, wie viel es isst, je nachdem, wie groß sein Hunger ist. Das könnte dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden, geringer ist als bei Kindern, die mit dem Löffel gefüttert werden.
  • Fördert die Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten. Wenn du hauptsächlich mit Fingerfood fütterst, fördert das die Entwicklung der manuellen Geschicklichkeit und der Hand-Augen-Koordination.

Aber natürlich ist keine Fütterungsmethode perfekt. Obwohl es viele Gründe gibt, die für BLW sprechen, gibt es auch ein paar Nachteile, darunter:

  • Es ist unordentlich. Das Essen von Fingerfood ist für Babys in jedem Alter unordentlich, vor allem, wenn sie gerade lernen, die Nahrung festzuhalten und in den Mund zu bekommen.
  • Du musst auf den Eisengehalt achten. Gestillte Babys bekommen bis zum vierten Lebensmonat genug Eisen aus der Muttermilch – aber dann kann der Eisengehalt sinken. Deshalb wird dein Kinderarzt wahrscheinlich ein flüssiges Eisenpräparat dazugeben (1 mg/kg pro Tag), bis dein Baby beginnt, eisenhaltige feste Nahrung zu essen. Manchen Babys fällt es jedoch schwer, eisenhaltige Lebensmittel (wie Rindfleisch) zu kauen. Püriertes Fleisch, grünes Gemüse und angereichertes Getreide können helfen, die Lücke zu schließen. Dein Arzt kann auch empfehlen, dass dein Kind im ersten Jahr vorsorglich ein Eisenpräparat einnimmt, falls es notwendig sein sollte.

Wann man mit der Beikost beginnen sollte

Experten, darunter auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagen heute, dass der beste Zeitpunkt für den Beginn fester Nahrung bei ungefähr 6 Monaten liegt. In diesem Alter sind die meisten Babys in der Lage, sich selbst aufzusetzen und Gegenstände zu greifen und zu halten. Außerdem haben sie den Zungenstoßreflex (mit dem sie Fremdkörper aus dem Mund schieben) abgelegt und ihr Darm hat die notwendigen Verdauungsenzyme entwickelt, um feste Nahrung aufzunehmen.

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Obwohl BLW immer beliebter wird und viele Vorteile hat, unterscheidet sie sich von den traditionellen Methoden der Einführung fester Nahrung, bei denen dein Baby mit dem Löffel gefüttert wird.

Während es für die allermeisten Babys geeignet ist, kann es sein, dass einige Kinder (die besondere Bedürfnisse haben und nicht in der Lage sind, die Nahrung selbstständig aufzunehmen und zu kauen) nicht in der Lage sind, BLW zu probieren. Dann achte auf dein Baby – manche übernehmen gerne die Führung, andere nicht.

Wie du mit der Beikost beginnst

Du bist vielleicht skeptisch, dass dein 6 Monate altes Kind auf Anhieb mit fester Nahrung zurechtkommt, aber die Fähigkeit deines Babys, sich zu ernähren, wird dich wahrscheinlich überraschen. Wenn du dich dafür entschieden hast, mit BLW zu starten und deinem Baby feste Nahrung zu geben, befolge diese Grundregeln:

  • Stille weiter oder gib deinem Baby die Flasche. Behalte die gleiche Still- oder Flaschenfütterungshäufigkeit bei, da Babys im ersten Jahr den größten Teil ihrer Nahrung aus Muttermilch oder Milchnahrung erhalten.
  • Vergiss die Breifahrpläne. Du hast vielleicht schon gehört, dass du dein Baby nach einem Ernährungsplan ernähren sollst, der Muttermilch oder Säuglingsnahrung und drei feste Mahlzeiten pro Tag vorsieht. Wenn du dich jedoch für BLW entscheidest, biete deinem Baby einfach feste Nahrung zu den Mahlzeiten an und lass es entscheiden, ob es sie essen möchte. Wenn du doch auf der Suche nach einem kleinen „Fahrplan“ für BLW bist, bist du hier richtig.
  • Halte es sanft. Egal, was auf dem Speiseplan steht, am Anfang sollte die Konsistenz der Nahrung so weich sein, dass du sie mit den Fingern zerdrücken kannst oder sie sich leicht auflösen lässt – ein Zeichen dafür, dass dein Baby sie leicht kauen kann. Vermeide Nahrungsmittel, die hart oder knusprig sind, wie rohe Karotten- oder Apfelscheiben.
  • Bereite das Essen entsprechend dem Alter deines Kindes zu. Für 6 Monate alte Kinder, die gerade mit fester Nahrung beginnen, solltest du Lebensmittel anbieten, die in dicke Streifen oder Sticks geschnitten werden können, damit dein Baby sie in der Faust halten und von oben nach unten kauen kann. Sobald dein Kind seinen Pinzettengriff entwickelt hat, in der Regel mit etwa 9 Monaten, kannst du anfangen, die Nahrung in kleine mundgerechte Stücke zu schneiden, die es leicht aufnehmen kann.
  • Esst gemeinsam. Wenn es bei dir gedünsteten Blumenkohl und Lachs gibt, spricht nichts dagegen, dass dein Baby das Gleiche mit dir zusammen isst. Essen ist eine soziale Aktivität, also lass dein Kleines sehen, wie du mit dem Essen umgehst und gib ihm die Chance, es dir nachzumachen. Dein Baby möchte dein Toastbrot oder greift nach der Banane, die du gerade naschst? Biete ihm eine Portion an (solange sie für das Baby geeignet ist).
  • Biete eine Vielzahl von Lebensmitteln an. Wenn du deinem Baby mit der Zeit eine große Auswahl an Lebensmitteln anbietest, entwickelt es einen abenteuerlustigen Gaumen und wird später weniger wählerisch sein. Biete deinem Kind verschiedene Farben (gebratene Tomaten, gedünstete grüne Bohnen und Süßkartoffeln) und verschiedene Texturen (weiche Avocados, saftige Wassermelone und sogar zarte gekochte Nudeln) an. Du solltest mindestens ein eisenhaltiges Lebensmittel pro Mahlzeit anbieten.
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Sicherheitstipps für BLW

Es ist normal, dass du Bedenken hast, dein Baby zu verschlucken, wenn du ihm feste Nahrung gibst. Solange du aber sichere Lebensmittel anbietest, ist das Zahnfleisch deines Kindes durchaus in der Lage, weiche feste Nahrung zu kauen.

Trotzdem ist es wichtig, die Anzeichen für ein Verschlucken bei Babys zu kennen und zu wissen, wie sich Verschlucken von Würgen unterscheidet. Würgen kommt häufig vor, vor allem in den ersten Wochen der Beikosteinführung, wenn das Baby versucht, die ungewohnten Klumpen im Mund zu bewältigen. Aber bedenke, dass das Würgen eine Sicherheitsreaktion ist, wenn die Nahrung zu weit in den Mund gelangt – und nicht dasselbe wie das Verschlucken.

Wenn Babys würgen, bewältigen sie das Problem selbst und es ist am besten, ruhig zu bleiben (oder zumindest ruhig auszusehen) und zu warten, bis es vorbei ist. Das Würgen sollte nachlassen, wenn das Baby lernt, mit fester Nahrung umzugehen. Trotzdem ist es gut, wenn du den Unterschied zwischen Würgen und Verschlucken kennst und weißt, wie du dich in letzterem Fall verhalten solltest:

  • Ein Kind, das würgt, scheint nur leicht zu husten und macht vielleicht ein kleines Geräusch.
  • Ein Kind, das erstickt, sieht verängstigt aus, kann nicht atmen und macht keine Geräusche, oder es keucht oder keucht. Es kann auch einen panischen Blick und eine bläuliche Färbung der Haut haben und sich an den Hals fassen (bei Kleinkindern).

Für eine gewisse Sicherheit in diesen Situationen kann ich euch sehr einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys ans Herz legen. Mir hat es die Ängste im Ausprobieren von BLW genommen.

Bei BLW sollte das Kind immer aufrecht auf deinem Schoß oder in einem Hochstuhl sitzen

Und das Wichtigste? BLW ist für die Kleinen sicher, solange du die Nahrung sicher anbietest und dich an ein paar einfache Regeln hältst. Denke daran:

  • Vermeide Lebensmittel, an denen sich dein Kind verschlucken kann. Für Babys unter 12 Monaten gehören dazu Nüsse, ganze Trauben, Kirschen oder Kirschtomaten, rohes Gemüse, ungekochte Apfelscheiben, ungekochtes Trockenobst, große Fleisch- oder Käsestücke, Fisch mit Gräten, ungesüßtes Popcorn und knusprige Snacks wie Chips, Brezeln oder Müsliriegel.
  • Beaufsichtige dein Baby immer, wenn es isst. Lass dein Baby nie unbeaufsichtigt essen.
  • Halte dein Baby beim Essen aufrecht auf deinem Schoß oder lass es in seinem Hochstuhl sitzen. Lass es nicht essen, während es krabbelt, spielt oder sich hinlegt, und serviere ihm kein Essen im Kinderwagen oder im Auto.
  • Die Füße sollten immer Bodenkontakt haben. Wenn dein Baby alleine in seinem Hochstuhl sitzt, achte darauf, dass die Füße immer aufgestellt sind. Dies erleichtert das Abhusten von Lebensmitteln.
  • Achte auf allergische Reaktionen. Der Gedanke, dass man sich bei bestimmten Lebensmitteln zurückhalten sollte, um Allergien zu vermeiden, ist überholt: Die meisten Experten sind überzeugt, je mehr Möglichkeiten du anbietest, desto wahrscheinlicher ist es, dass dein kleiner Feinschmecker verschiedene Lebensmittel akzeptiert, was in Zukunft zu weniger „Essenskämpfen“ führt. Dennoch ist es wichtig, die Anzeichen einer Nahrungsmittelallergie zu kennen – dazu gehören Nesselsucht, Hautschwellungen, Zungenschwellungen, Niesen, Keuchen, Engegefühl im Hals, Erbrechen, Schluckbeschwerden, Magenschmerzen und Durchfall – und den Kinderarzt deines Kindes zu fragen, wie und wann du häufige Allergene wie Eier, Erdnüsse und Meeresfrüchte einführen solltest.
  • Erkläre jedem, der sich um dein Kind kümmert, die Beikosteinführung. Es ist wichtig, dass alle Bezugspersonen die gleichen Sicherheitsvorkehrungen treffen wie du.

Tipps für eine erfolgreichen BLW Start

Du und dein neuer Liebling werdet schnell den Dreh raus haben (auch wenn es anfangs ein wenig anstrengend erscheint). Um einen reibungslosen und stressfreien Start zu gewährleisten, solltest du diese Tricks beachten:

  • Investiere in ein großes Lätzchen. Ziehe in Erwägung, dein Kind nur mit einer Windel zu bekleiden und es mit einem übergroßen Lätzchen oder Kittel zu bedecken.
  • Fang langsam an. Am Anfang brauchst du deinem Kind nur ein oder zwei Essensstücke anzubieten. Bietest du zu viel an, könntest dein Baby mit zu vielen Auswahlmöglichkeiten überfordern.
  • Mach dir vorerst keine Gedanken über Teller oder Schüsseln. Sie werden sie ohnehin auf den Boden werfen. Lege das Essen einfach auf den Tisch oder das Tablett am Hochstuhl und lass die Mahlzeit beginnen.
  • Sorge dafür, dass glitschige Lebensmittel leicht zu greifen sind. Rutschen die leckeren, weichen Fingerfoods (Avocado, Banane) in den Fingern deines Babys? Mahle Haferflocken oder andere Vollkorngetreideflocken, Weizenkeime oder Vollkorncracker zu einem feinen Pulver und bestreue die Lebensmittel dann mit diesem „Pulver „. So kann dein Kleines sie leichter greifen und mampfen (und außerdem wird der Gesundheitsfaktor der Lebensmittel erhöht).
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  • Ermutige zum Spaß. Betrachte die Mahlzeiten Nahrung als Spielzeit, in der dein Baby verschiedene Texturen erkundet und mit dem Schmecken und Kauen experimentiert. Bei der Beikosteinführung geht es vor allem darum, dass sich dein Baby mit verschiedenen Lebensmitteln vertraut macht.
  • Erzwinge das Essen nicht. Da dein Baby im ersten Jahr mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung ernährt wird, musst du dich nicht wundern, wenn es in den ersten Monaten nur wenig isst. Lass sie das Tempo vorgeben. Wenn es immer besser wird und mehr isst, wird es allmählich weniger Muttermilch oder Säuglingsnahrung zu sich nehmen und stattdessen feste Nahrung essen, die es liebt.
  • Sei flexibel. Denke daran, dass es bei der Entwöhnung, wie bei vielen anderen Erziehungsmethoden auch, kein Alles-oder-Nichts-Prinzip gibt. Du kannst dich teilweise für die Beikost entscheiden, abwechselnd mit Löffelfütterung oder ergänzend dazu (Baby isst ein Stück Banane, du löffelst etwas Joghurt hinein).

BLW kann deinem Kind mehr Selbstständigkeit bei den Mahlzeiten geben und vielleicht sogar dazu beitragen, dass es zu einem abenteuerlustigen Esser wird. Halte auf jeden Fall deine Kamera bereit: Die Schnappschüsse der ersten unordentlichen Mahlzeiten sind unbezahlbar.

Quellen:

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